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Buchbesprechung "Ein Sommer unter Segeln"

 

 

 

 

von Anke Brodmerkel
Palstek Heft 2 / 2001
Seite 132

Die zehnjährige Katrin Baumann lebt seit dem Tod ihrer Eltern in sich gekehrt und zurückgezogen von anderen Kindern in einem Waisenhaus. Ihre ganze Welt gehört den Büchern, begierig verschlingt sie die Abenteuer der alten Seefahrer und Entdecker. Eines Tages stößt sie während eines Fahrradausflugs auf das Schiff ihrer Tagträume: die schwere, hölzerne Segelyacht EINHORN, die in einem kleinen Bootshafen am Rhein festgemacht hat. Schnell freundet Kati sich mit dem Besitzer, dem Kapitän Johann „Joe" Clasen, und dem Bordkater Bartholomäus an. Und von da ab hat Kati nur noch einen Wunsch: mit den beiden zusammen auf Reisen zu gehen.
Schneller als sie sich ausgemalt hat, geht ihr Wunsch in Erfüllung. Nach einem Banküberfall, in den das Mädchen geheimnisvoll verstrickt ist, sieht der Kapitän nur noch einen Ausweg: Um Katis Leben nicht zu gefährden, verlässt er heimlich mit ihr die Stadt. Damit Kati unterwegs von niemandem erkannt wird, muss sie im wahrsten Sinne des Wortes Haare lassen - aus Kati wird der Schiffsjunge Kai.
Gernot Reipens Buch wendet sich vor allem an junge Segler und solche, die es werden wollen. Obwohl die ersten Seiten noch etwas gequält wirken, entführt er seine Leser bald auf eine spannende und abenteuerliche Seereise Richtung Finnland. Und da Kai noch viel über Seefahrt, Schiffsführung und Navigation lernen muss, wird auch den jungen Lesern ganz nebenbei eine Menge seglerisches Grundwissen vermittelt.
Hier liegt jedoch auch ein Problem des Buches. Ob ein zehnjähriges Kind die Grundlagen der astronomischen Navigation verstehen kann, erscheint zumindest fraglich. Und ob ein jugendlicher Leser an diesen Stellen des Buches weiter liest, bleibt ebenso dahingestellt.
Dennoch: Wem es bisher noch nicht gelungen ist, den Nachwuchs für das eigene Hobby zu begeistern, dem könnte Ein Sommer unter Segeln dabei helfen. Denn Katis beziehungsweise Kais Begeisterung für Schiffe und alles, was dazu gehört, ist einfach ansteckend. Der gemeinsame Segeltörn bedeutet ihr viel mehr als nur ein aufregender Sommerurlaub. Zusammen mit dem weit gereisten Joe, der nie um eine spannende Geschichte verlegen ist, wird die Reise für sie zu einer permanenten Entdeckungstour.
Im dänischen Limfjord lernt Kati den Fischerjungen Sven kennen. Obwohl sie anfangs kein Wort miteinander wechseln können, entsteht zwischen ihnen schnell eine dicke Freundschaft. Joe hat es ihr beigebracht: Mithilfe von Bleistift und Notizblock werden Fragen und Antworten einfach aufgezeichnet, Sprachbarrieren schmelzen auf diese Weise schnell dahin.
Und so ist es auch kein Wunder, dass das Mädchen das Angebot der finnischen Familie Ylilammi, alte Freunde von Joe, gerne annimmt: Kati soll ab jetzt bei ihnen leben und ein Mitglied der Familie werden. Eine Hürde gilt es zuvor zu nehmen. Kati muss noch einmal zurück nach Deutschland und ins Waisenhaus, wo sie als vermisst gilt. Und wie das in Büchern eben so ist: Auch hier wird sie mit offenen Armen empfangen, keine Schelte, und alle sind froh, sie gesund zurück zu wissen.
Ihr ,,Entführer" Joe hält sich derweil vor den deutschen Behörden versteckt, irgendwo hoch oben im Norden Finnlands. Doch als der Bankräuber ein letztes Mal mit Kati abrechnen will, ist der alte Kapitän wie üblich zur rechten Zeit am rechten Ort, um dem Mädchen in einem dramatischen Kampf auf dem Schulhof noch einmal das Leben zu retten.
Ende gut, alles gut.

mit freundlicher Genehmigung des Palstek-Verlages GmbH, Eppendorfer Weg 57a, 20259 Hamburg